• David Crean

Letter to a Prisoner

Updated: Aug 14, 2019


Recently I visited a man in prison. The length of his sentence meant that in all probability by the time he was eligible for parole his children would have grown up and his parents unlikely to still be alive.


This is only part of the stark reality of a long prison sentence. The other fact is that your freedom is taken away. Every aspect of life in prison is controlled. The prisoner has no choice when to get up or go to bed, when to go outside for sunlight and fresh air. Every where the prisoner goes, involves walking through a locked door that he must wait for someone else to open. Simple everyday things we all take for granted are not available to the inmate.


There is a possibility that this man was wrongly convicted. I am not a legal expert and I was not there to advise him on how to proceed with his appeal.


Here is the letter I wrote to him:


Dear H…


I was glad to meet you last week. I hope that our encounter was in some way helpful for you. I am writing this letter to you now as a reminder of some of what we talked about.


It’s important to repeat that whatever the merits of your case might be, the fact is you have been given a long prison sentence. And whatever might happen regarding your appeals, the question remains as to how you live on the inside. By this I mean both inside the prison itself with all its structures and rules, and inside ‘you’.


You told me that your aim is to still be smiling when you are finally released. I admire this. At the same time you asked me how you could live without becoming increasingly angry with thoughts of seeking revenge. I believe the answer to this lies in how you choose to live in the present; how you *are* in each moment. My experience is that to only concentrate on the future is an impossible task that makes one hard and often increasingly bitter. The truth is we can only *be* in this present moment. After all, you never did anything in the future! And the past is something that exists in our memories… which we are continually updating in a present moment.


So, what to do? I would say that your suffering needs to be respected. You cannot ignore the hurt because it is real. But, rather than let the hurt harden you, let it soften you. The hurt can open you rather than close you. As you have already discovered, one outcome of your incarceration has been an awareness of your love for your parents and realization of how much they love you. So let the hurt continue to send you looking for those who accept you.


Can you hold in the same moment the inconsistency of continuing to seek to clear your name while at the same time seek acceptance of the reality of your situation as it exists at this time? It seems to me therein lies your freedom.


Some feelings, like anger and resentment, are not comfortable; but they are natural feelings that arise in response to the thought of having been mistreated and not understood. Most people, most of the time will do almost anything to avoid such feelings by trying to ‘think’ their way out of the feeling, seeking a solution or fix which usually means asserting being ‘right’ and ascribing blame. The truth still remains that being ‘right’ does nothing to alleviate the pain.


However, when we give space for these feelings, by simply ‘having’ them without suppressing or acting them out, without giving them any energy, they will burn off cleanly. The emotion acts on the body; it does whatever it is there to do and, when you do not give it energy, it will eventually pass through much like a cloud floats by in the sky. What we are left with is space, a feeling of expansion. This is a profound way to find acceptance and let go.


Viktor Frankl, a concentration camp survivor, wrote:


“Everything can be taken from a man but one thing; the last of the human freedoms—to choose one’s attitude in any given set of circumstances, to choose one’s own way … <snip>… Between stimulus and response there is a space. In that space is our power to choose our response. In our response lies our growth and our freedom.”

(from, Man’s Search for Meaning)


I wish you peace.


And, as I said when we parted, if you would like a further meeting, I am sure we can make arrangements to do so next year when I am again in the area.


Best wishes,


David



Brief an einen Häftling



Kürzlich besuchte ich einen Mann im Gefängnis. Die Länge seines Strafmaßes bedeutet, dass aller Wahrscheinlichkeit nach zum Zeitpunkt seiner Bewährung seine Kinder erwachsen und seine Eltern nicht mehr am Leben sein werden.


Und dies ist nur ein Teil der krassen Realität einer langen Haftstrafe. Das andere Faktum ist, dass die persönliche Freiheit genommen ist. Jeder Aspekt des Lebens ist im Gefängnis kontrolliert. Der Häftling hat nicht die Wahl wann er aufstehen oder zu Bett gehen wird, wann er nach draußen geht, um Sonnenlicht und frische Luft zu tanken. Wo immer der Häftling hingeht, bedeutet dies, durch versperrte Türen zu gehen, vor denen er zu warten hat, bis jemand sie ihm öffnet. Einfache, alltägliche Dinge, die wir alle als selbstverständlich betrachten, sind für einen Inhaftierten nicht verfügbar.


Es kann sein, dass dieser Mann fälschlich verurteilt wurde. Ich bin kein Rechtsexperte und war auch nicht dort, um ihn bezüglich seines weiteren Vorgehens zur Berufung gegen das Urteil zu beraten.


Hier ist der Brief, den ich an ihn schrieb:


Lieber H…


Es war mir eine Freude, dich letzte Woche zu treffen. Ich hoffe, unsere Begegnung war auf irgendeine Weise hilfreich für dich. Diesen Brief schreibe ich dir nun zur Erinnerung an einiges, das wir besprochen haben.


Es ist wichtig zu wiederholen, dass, wie immer die Sachlage in deinem Fall sein mag, Fakt ist, dass du zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden bist. Und was immer bezüglich deiner Berufungen geschehen wird, die Frage bleibt, wie du drinnen lebst. Damit meine ich sowohl im Gefängnis mit all seinen Strukturen und Regeln, als auch in ‚dir’.


Du erzähltest mir, deine Absicht sei, noch immer zu lächeln, wenn du schließlich entlassen wirst. Ich bewundere dies. Zur gleichen Zeit fragtest du mich, wie du es angehen kannst, nicht zunehmend wütender zu werden und Rachegedanken zu entwickeln. Ich vermute, die Antwort liegt darin, wie du in der Gegenwart zu leben wählst;  wie du in jedem Moment *bist*. Meiner Erfahrung nach ist die reine Ausrichtung auf die Zukunft eine unmögliche Aufgabe, die einen hart und oft zunehmend verbittert werden lässt. Die Wahrheit ist, dass wir nur in diesem gegenwärtigen Moment *sein* können. Überhaupt hast du nie irgendetwas in der Zukunft getan! Und die Vergangenheit ist etwas, das in unseren Erinnerungen existiert …. die wir ständig in einem gegenwärtigen Moment adaptieren.


Was ist also zu tun? Ich würde sagen, dass dein Leiden respektiert werden muss. Du kannst den Schmerz nicht ignorieren, da er real ist. Aber statt dass du den Schmerz dich hart werden lässt, lass ihn dich erweichen. Der Schmerz kann dich eher öffnen als dich verschließen. Wie du schon entdecken konntest ist ein Ergebnis deiner Inhaftierung das Gewahrwerden über deine Liebe zu deinen Eltern und das Erkennen, wie sehr sie dich lieben. Lass also den Schmerz damit fortfahren, dich dorthin zu führen, wo du Ausschau hältst nach denen, die dich annehmen.

Kannst du die gleichzeitig existierende Widersprüchlichkeit annehmen, im selben Augenblick damit fortzufahren, deinen Namen reinzuwaschen während du zur gleichen Zeit nach der Akzeptanz der Realität deiner derzeitigen Situation strebst? Es scheint mir als würde hierin deine Freiheit liegen.


Manche Gefühle, wie Ärger und Verbitterung, sind nicht angenehm; aber es sind natürliche Gefühle, die als Antwort auf den Gedanken, ungerecht behandelt und nicht verstanden worden zu sein, auftauchen. Die meisten Menschen tun die meiste Zeit nahezu alles, solche Gefühle zu vermeiden, indem sie ihren Weg aus diesen Gefühlen zu ‚denken’ versuchen; eine Lösung suchen oder manipulieren, was üblicherweise bedeutet zu behaupten, ‚recht’ zu haben und jemandem die Schuld zuzuweisen. Die Wahrheit bleibt jedoch, dass ‚recht haben’ nichts dazu beiträgt, den Schmerz zu lindern.


Wenn wir diesen Gefühlen hingegen Raum geben, einfach indem wir sie ‘haben’, ohne sie zu unterdrücken oder sie auszuagieren, ohne ihnen irgendeine Energie zu geben, werden sie säuberlichst verbrennen. Die Emotion richtet sich nach dem Körper; sie tut was immer da ist zu tun und, wenn du ihr keine Energie gibst, wird sie allmählich durchwandern ähnlich einer Wolke, die über den Himmel zieht. Was in uns bleibt ist Raum, ein Gefühl von Weite. Dies ist ein profunder Weg um Akzeptanz zu finden und loszulassen.


Viktor Frankl, ein Überlebender der Konzentrationslager, schrieb:


“Alles kann einem Menschen genommen werden, außer einem; die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen, seinen eigenen Weg zu wählen. <…..> Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ (von, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn)


Ich wünsche dir Frieden.


Und, wie ich schon sagte als wir auseinander gingen: wenn du ein weiteres Treffen möchtest, bin ich sicher wir können es einrichten, wenn ich nächstes Jahr wieder in der Gegend bin.


Die besten Wünsche,


David

CONTACT US

Body Resonance® is a European Community Trade Mark Reg. No. 011338456
© 2007 David Crean

  • Facebook Channel
  • YouTube Channel